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Psychosomatik

Das Fühlen, das Denken und das Spüren sind untrennbare Eigenschaften menschlichen Lebens. Deshalb lassen sich Psyche, Geist und Körper der Menschen nicht trennen. Die medizinische Wissenschaft weiß schon lange, dass Körper, Geist und Seele eines Menschen eine Einheit bilden.

Denn unser Denken, also unsere Reaktion auf soziale Gegebenheiten, bestimmt unser psychisches Befinden und das wiederum wirkt sich auf unseren Körper aus. Auch die einfache Erkenntnis, dass in einem gesunden Körper ein gesunder Geist besser wohnen kann, weist darauf hin, dass körperliche Veränderungen meist Einfluss auf das Seelenleben und damit auch auf unser Denken haben.

Die Psychosomatik hat schon früh erkannt, dass körperliche Beschwerden und körperliche Erkrankungen sehr oft durch ein belastetes Seelenleben verursacht sind. Menschen mit einer psychosomatischen Erkrankung leiden oft unter körperlichen Symptomen, welche die medizinische Wissenschaft nicht durch körperliche Untersuchungsergebnisse erklären kann. Ein typisches Beispiel für die beschriebenen Wechselwirkungen ist der hohe Blutdruck. Schon bei akuten Belastungen, etwa in einer Prüfungssituation, reagiert unser Körper mit einem schnelleren Puls, der Blutdruck erhöht sich, wir schwitzen und atmen schneller.

Heute wissen wir, dass ständige Anspannung und Stress aber auch chronischer Ärger oder langandauernde Trauer die Abwehrkräfte unseres Körpers schwächen. Es kommt zu Symptomen und Erkrankungen, welche alle Organe des Körpers betreffen können.

Welche Beschwerden habe ich?

Ich:

  • habe körperliche Beschwerden oder Schmerzen, für die sich keine eindeutigen medizinischen Ursachen finden lassen.
  • habe unterschiedliche Behandlungen ausprobiert, ohne dass es zu einer nachhaltigen Besserung gekommen ist.
  • fühle mich belastet und gestresst und kann mich kaum noch erholen.
  • habe dauerhafte berufliche oder persönliche Konflikte.

Ein Baum und seine starken, in alle Richtungen wuchernden Wurzeln

Was ist eine psychosomatische Erkrankung?

Von Kopf bis Fuß lassen sich psychosomatische Beschwerden beschreiben. Der Spannungskopfschmerz oder die Migräne gehören ebenso dazu wie die Schlafstörungen. Der psychogene Schwindel ist meist Folge von Konflikten oder Ängsten. Auch der chronische Bluthochdruck (essentielle Hypertonie) oder der Verschluss der Herzarterien und der Herzinfarkt sind zu benennen. Die Lunge kann durch Asthma betroffen sein, während der Magen oder der Dünndarm beispielsweise durch Geschwüre (Ulcus duodeni) in Mitleidenschaft gezogen werden. Die chronische Entzündung des gesamten Darms (Morbus Crohn) oder des Dickdarms (Colitis ulcerosa) sind möglicherweise Folge psychischer Belastungen. Bei der Entzündung der Prostata (Prostatitis) wird auch die Schwächung des Immunsystems diskutiert. Ebenso kann eine Reizblase psychische Ursachen haben. Auch unser Bewegungsapparat, die Knochen, die Gelenke und die Muskeln können betroffen sein. Die Rückenschmerzen (Lumbago-Ischialgie-Syndrom) als Folge psychischer Belastungen oder rheumatische Erkrankungen (z.B. die chronische Polyarthritis), bei denen man eine Störung des Immunsystems diskutiert, lassen sich aus psychosomatischer Sicht betrachten. Ein weites Feld psychosomatischer Forschung sind die unterschiedlichen Hauterkrankungen, wie z.B. das Ekzem (Neurodermitis), die Schmetterlingsflechte (Lupus erythematodes) oder der kreisrunde Haarausfall (Alopezia areata). Neben den hier aufgeführten Beispielen lassen sich noch zahlreiche andere psychosomatisch bedingte Erkrankungen benennen.

Wie erkennt eine Ärztin oder ein Arzt, ob ich psychosomatisch erkrankt bin?

Für psychosomatische Erkrankungen lassen sich keine körperlichen Ursachen feststellen. Dennoch wird Ihre Ärztin oder Ihr Arzt zunächst durch Untersuchungen (z.B. durch Labor- und Röntgenuntersuchungen, Ultraschall etc.) körperliche Erkrankungen ausschließen. Psychosomatische Erkrankungen können Folge unseres Denkens und Fühlens sein. Umgekehrt können unser Denken und Fühlen psychosomatische Beschwerden bessern und bewältigen. Im persönlichen Gespräch werden Stress- und Belastungsfaktoren ausfindig gemacht. Auch auf psychische Erkrankungen, etwa Angststörungen oder Depression, wird Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bzw. Ihre Psychotherapeutin oder Ihr Psychotherapeut achten. Eine Psychotherapie ist hilfreich, um nach Ursachen und Auslösern der Symptome zu schauen. Entspannungsverfahren können ein wichtiger Bestandteil der Behandlung sein. In manchen Fällen können Medikamente Beschwerden lindern.

Wo bekomme ich Hilfe?

Durch die LWL-Kliniken werden zahlreiche Behandlungsangebote zur Verfügung gestellt. In stationären, tagesklinischen und ambulanten Behandlungen haben Betroffene die Möglichkeit, sich mit ihrer Erkrankung auseinanderzusetzen und die Veränderung im Leben zu bearbeiten.

Genauere Informationen zu bundesweiten Therapie- und Hilfsangeboten finden Sie unter den folgenden Links:

Wie kann ich die Behandlung unterstützen?

Für die Behandlung psychosomatisch bedingter Erkrankungen ist es wichtig, dass Sie sich Zeit nehmen um zur Ruhe zu kommen, um das belastende Ereignis zu verarbeiten sowie neue Strategien zur Lösung zu entwickeln. Bitte achten Sie dabei auf sich und Ihre Bedürfnisse. Beschäftigen Sie sich mit Dingen, die Ihnen guttun und Ihnen Freude bereiten. Eine Entlastung kann auch sein, das Gespräch mit Anderen, wie Freundinnen und Freunden oder der Familie zu suchen und sich mitzuteilen. Versuchen Sie sich daran zu erinnern, wie Sie in der Vergangenheit mit belastenden Ereignissen umgegangen sind und nutzen Sie diese Stärken und Bewältigungsstrategien.

Oft hilft es, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Informationen zu Selbsthilfegruppen bundesweit finden Sie hier:

Welche Tipps gibt es für Angehörige?

Menschen mit einer psychosomatischen Erkrankung sind keine Simulanten. Sie leiden unter ihren Symptomen. Die Schmerzen oder die funktionalen Beschwerden sind nicht eingebildet. Bitte bleiben Sie als Angehörige geduldig und nehmen Sie die Beschwerden ernst. Angehörige sind so oft eine große Stütze für die Betroffenen. Meist hilft es den betroffenen Personen sehr, mit ihren Angehörigen über die belastende Veränderung und die damit zusammenhängenden Sorgen zu sprechen. Machen Sie daher deutlich, dass Sie als Gesprächspartnerin bzw. Gesprächspartner zur Verfügung stehen und unterstützen Sie die Betroffene bzw. den Betroffenen dabei, Lösungen zur Bewältigung dieser Veränderung zu finden.

Achten Sie jedoch auch immer auf Ihre persönlichen Grenzen und motivieren Sie die betroffene Person dazu, sich professionelle Hilfe zu suchen, wenn Sie das Gefühl haben, dass die Beschwerden schlimmer werden oder nach längerer Zeit nicht zurückgehen.